Podiumsdiskussion zur Berliner Abgeordnetenhauswahl

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Am 20. Sep­tem­ber ist es wie­der so weit: Ber­lin wählt, und die Aus­gangs­la­ge könn­te kaum span­nen­der sein. Zwi­schen den fünf Par­tei­en, die der­zeit im Abge­ord­ne­ten­haus ver­tre­ten sind, lie­gen in den Umfra­gen nur weni­ge Pro­zent­punk­te. Der Aus­gang der Wahl ist so offen wie sel­ten zuvor. Des­halb fällt jede Stim­me umso mehr ins Gewicht – und damit die Stim­me unse­rer Schü­le­rin­nen und Schü­ler, die zum ers­ten Mal teil­neh­men dür­fen. Bes­te Vor­aus­set­zun­gen also für eine gelun­ge­ne Podi­ums­dis­kus­si­on, die am 16. Juni in unse­rer alt­ehr­wür­di­gen Aula stattfand.

Vor unse­ren Erst­wäh­len­den tra­ten dazu fol­gen­de Kan­di­die­ren­de an: Vasi­li Fran­co (Bünd­nis 90/Die Grü­nen), Andy Hehm­ke (SPD), René Pérez Domín­guez (Die Lin­ke) und Björn Schle­si­ger (CDU). Sie stell­ten sich den Fra­gen der Schü­ler­schaft und dis­ku­tier­ten über die The­men­be­rei­che Bil­dung, Woh­nen, Ver­kehr und Wirtschaft.

Dabei zeig­te sich deut­lich, dass die Ein­schät­zun­gen der Prä­mis­sen und Pro­blem­la­gen eben­so weit aus­ein­an­der­la­gen wie die Vor­stel­lun­gen mög­li­cher Lösungs­an­sät­ze. Nicht sel­ten herrsch­te aber auch Einig­keit, etwa beim lei­di­gen und berühmt-berüch­tig­ten Ber­li­ner Spe­zi­al­the­ma Kom­pe­tenz­ge­ran­gel zwi­schen Land und Bezirk – von dem wir als Schu­le im Zusam­men­hang mit unse­rem Schul­neu­bau der­zeit unmit­tel­bar betrof­fen sind. Dabei zeig­te sich gera­de­zu mus­ter­gül­tig, wie wert­voll es ist, wenn die Mode­ra­ti­on aus­ge­zeich­net vor­be­rei­tet ist und bei Detail­fra­gen – war­um die Unter­schei­dung von Neu­bau und Ersatz­bau so poten­ti­ell weit­rei­chen­de Fol­gen haben kann ­– sat­tel­fest ist. Das The­ma sorg­te für kol­lek­ti­ves Stirn­run­zeln, auf dem Podi­um wie im Publikum.

Zum Kon­zept der Dis­kus­si­on gehör­te es auch, zwi­schen­zeit­lich Ja-Nein-Fra­gen zu stel­len, die für Abwechs­lung sorg­ten und als Gesprächs­an­lass dien­ten. Dazu hat­ten die Per­so­nen auf dem Podi­um rote und grü­ne Kar­ten, die sie ent­spre­chend ihrer jewei­li­gen Posi­ti­on hoch­hal­ten konn­ten. Auf die­se Wei­se konn­te die Schü­ler­schaft die Stand­punk­te schnell erken­nen und sich rasch einen Ein­druck von den inhalt­li­chen Stand­punk­ten der Dis­ku­tie­ren­den ver­schaf­fen. Bestand Gesprächs­be­darf, konn­ten die­se ihr jewei­li­ges Votum erläu­tern. Bei Fra­gen zu The­men wie Can­na­bis, Club­kul­tur und Infor­ma­tik­un­ter­richt ab der Grund­schu­le zeig­te sich hier über­ra­schend gro­ße Einig­keit. Bei ande­ren The­men ging es erwar­tungs­ge­mäß kon­tro­ver­ser zu, etwa beim Woh­nungs­bau oder beim Aus­bau der A100. Auch hier blieb der Aus­tausch aber ange­nehm wert­schät­zend. Dabei war die Dyna­mik zwi­schen den Dis­ku­tan­ten inter­es­sant, die nicht nur inhalt­lich, son­dern auch habi­tu­ell unter­schied­li­che poli­ti­sche Rich­tun­gen reprä­sen­tier­ten und ganz unter­schied­li­che Podi­ums­er­fah­run­gen hat­ten. Einer von ihnen – auch das gehört zum Gesamt­bild – ist ein ehe­ma­li­ger Hertz-Schüler.

Span­nend war auch, das gro­ße Inter­es­se der Schü­ler­schaft zu beob­ach­ten, dass sich in kon­zen­trier­ter Auf­merk­sam­keit äußer­te – stre­cken­wei­se hät­te man Steck­na­deln fal­len hören kön­nen – und im Ansturm auf die Poli­ti­ker im Anschluss. Dan­kens­wer­ter­wei­se hat­ten sie sich bereit erklärt, auch abseits der Büh­ne Fra­gen indi­vi­du­ell zu beantworten.

Eini­ge Schü­le­rin­nen und Schü­ler erklär­ten spä­ter, dass sie sich nicht nur gut unter­hal­ten gefühlt hät­ten, son­dern dass ihr Bild von den Posi­tio­nen der Par­tei­en geschärft wor­den sei, teil­wei­se sogar wahl­ent­schei­dend. Gleich­zei­tig – und das ist min­des­tens eben­so wich­tig – schu­len sol­che Ver­an­stal­tun­gen den Wesens­kern plu­ra­lis­ti­scher Pra­xis: die Aus­ein­an­der­set­zung mit gegen­tei­li­gen Posi­tio­nen und die Aner­ken­nung ihrer Existenzberechtigung.

Ein herz­li­cher Dank gilt den Gäs­ten auf dem Podi­um, die sich die Zeit für die­sen inten­si­ven Aus­tausch genom­men haben, sowie den Schü­le­rin­nen und Schü­lern der Poli­tik-AG, die für Vor­be­rei­tung, Orga­ni­sa­ti­on und Ablauf ver­ant­wort­lich waren und sich inten­siv vor­be­rei­tet hat­ten. Her­vor­zu­he­ben ist dabei ins­be­son­de­re das Mode­ra­to­ren­duo Luuk Bütt­ner und Lui­sa Syr­be, das sich blen­dend ein­ge­ar­bei­tet hat­te, kennt­nis­reich und äußerst sou­ve­rän mode­rier­te und damit wesent­lich dazu bei­trug, dass die Dis­kus­si­on strin­gent und dif­fe­ren­ziert geführt wurde.

Und so zeig­te sich Demo­kra­tie nicht als ein theo­re­ti­sches Kon­zept aus dem Unter­richt, son­dern als leben­di­ge Pra­xis, deren Grund­prin­zip – der kon­struk­ti­ve Streit – ein­drucks­voll zele­briert wurde.

 

Alex­an­der Buchholtz