Politische Bildung und Politikwissenschaft
“Die Freiheit, frei zu sein und der Wunsch nach Freiheit, also ein politisches Leben zu führen” ~ Hannah Arendt (1906 – 1975)
Im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften beschäftigen wir uns mit den großen (und manchmal auch kleinen) Fragen der Geschichte und Gegenwart: Welche Ursprünge haben Freiheit und Recht, Gerechtigkeit und Moral? In welchem Verhältnis stehen sie zueinander und welche Ausprägungen gab und gibt es? Die Auseinandersetzung mit historischen Höhen und Tiefen, mit spannenden Erzählungen und folgenschweren Fehlentwicklungen hilft dabei, aktuelle politische und gesellschaftliche Herausforderungen zu verstehen und einzuordnen.
Lernen im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Es sind aber nicht nur die von den Rahmenlehrplänen vorgegebenen Inhalte, mit denen wir uns befassen. Moderne Ansätze wie Erinnerungskultur und die Dekonstruktion von Narrativen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Themen, die gerade die Gesellschaft bewegen. Außerdem greifen wir immer wieder Anregungen der Schülerinnen und Schüler auf, deren Interessen und Know-how auch fächerübergreifend und profilinspiriert eingebunden werden: Wie genau funktionieren z.B. mRNA-Impfstoffe oder der TikTok-Algorithmus und was folgt daraus?
Geschichts- und Politikunterricht erschöpfen sich aber nicht in bloßer Vermittlung und Anwendung von Wissen. Es gehört auch zu unserem Auftrag, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, ihren eigenen Weg zu gehen. Das beginnt bei der grundlegenden Frage, wie man an Informationen gelangt und jeweils Intention und Aussagekraft hinterfragt. Die Schulung von kritischem Denken auf Grundlage klassischer Quellenarbeit – heute oft im Kontext von Resilienz gegenüber Fake News – gehört zu den Kernkompetenzen unserer Fächer und ist heute wichtiger denn je.
Das übergeordnete Ziel jeder schulischen Bildung ist immer die Erziehung zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern. Auf dem (Schul-)Weg dorthin lernen die Schülerinnen und Schüler fundierte Urteile zu bilden, indem sie z.B. mit Kategorien, Kriterien und Betrachtungsebenen arbeiten und unterschiedlichste Perspektiven durchdringen. Diese Auseinandersetzung mit verschiedenen, oft fremden Positionen und die Anerkennung ihrer Existenzberechtigung sind Wesenskern einer pluralistischen Gesellschaft und Grundlage für ein demokratisches Miteinander.
Der multiperspektivische Zugang modernen Unterrichts in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern spiegelt sich auch in der Methodik wider. So sind z.B. die Produktion von Nachrichtensendungen zu historischen Themen, die Aufnahme von Podcasts oder das Arbeiten mit KI (z.B. in der Rolle des advocatus diaboli zur Vorbereitung für Diskussionen oder Klausuren) feste Unterrichtsbausteine.
Projekte und Engagement
Darüber hinaus zeichnet sich unser Fachbereich durch fest verankerte Projekte aus, die das Schulleben mitprägen. Neben Exkursionen gehören dazu obligatorisch Veranstaltungen, die zur Vorbereitung vor Wahlen durchgeführt werden, etwa Podiumsdiskussionen und die U16-Wahl.
Seit vielen Jahren ist außerdem der Projekttag Schule ohne Rassismus fester Bestandteil des Schuljahres am Heinrich-Hertz-Gymnasiums, bei dem die ganze Schülerschaft an Workshops teilnimmt, die zum Teil von externen Referentinnen und Referenten, zum Teil aber auch von Schülerinnen und Schülern selbst gestaltet werden. An diesem Tag beschäftigt sich die Schulgemeinschaft mit Strukturmerkmalen unterschiedlicher Diskriminierungsformen und es werden neue Perspektiven auf Themen wie z.B. Kolonialismus, Armut und gelebte Demokratie eröffnet.
Ebenso etabliert ist das Projekt denkmal aktiv. Hier beschäftigen sich verschiedene Klassen im Laufe eines Schuljahres intensiv mit einem geschichtsträchtigen Ort. Zuverlässig werden immer wieder zum Teil unerwartete Schichten und Geschichten entdeckt, die an diesen Orten schlummern: Berliner Mauer, Stasi-Zentrale, Jüdischer Friedhof, Nikolaiviertel, um nur einige zu nennen.
Neu in der Runde der institutionalisierten Projekte ist der Europatag, der im Zusammenhang mit dem Siegel Botschafterschule des Europäischen Parlaments steht, mit dem wir uns schmücken dürfen und das uns zahlreiche Zugänge ermöglicht.
Ausdruck des breiten Interesses der Schülerinnen und Schüler an politischen Fragestellungen ist auch das Projekt „MACH DEINEN PUNKT!“, das nach dem Prinzip eines analogen Wahl-O-Mat funktioniert. Dabei wird der Schülerschaft wöchentlich eine aktuelle Frage gestellt, zu der jeder Einzelne mit einem grünen Punkt Zustimmung oder mit einem roten Punkt Ablehnung ausdrücken kann. Auf diese Weise werden Gesprächsanlässe geschaffen, die zum Nachdenken, Mitmachen und Diskutieren anregen.
Logisch, dass unser Fachbereich großer Fan von Projekten und Initiativen unserer Schülerschaft ist, die allein in Schülerhand liegen und in denen sich die Identifikation mit der Schule widerspiegelt: z.B. HertzSchlag (Schülerzeitung), HertzInFakt (Schulpodcast) oder HertzFabrik (Schülerfirma).
Das große Engagement unserer Schülerinnen und Schüler, auf das wir stolz sind, wurde wiederholt auch von Medien begleitet. Darüber kann man sich hier einen Überblick verschaffen: ZDF (ab Min 42:30), ZDF, Deutsche Welle, berlin.de, Morgenpost.
Alexander Buchholtz (Fachleiter)
Ansprechpartner
Alexander Buchholtz
Fachleiter Geschichte & Politikwissenschaft / Politische Bildung
alexander.buchholtz@hhgym.de


